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Ist Breathwork gefährlich?

Ein Portrait-Foto von Svenja, mit dem Meer im Hintergrund. Svenja lacht in die Kamera.
Svenja Tasler
1.10.24
13 Minuten Lesezeit
Eine Frau liegt auf einer Yogamatte und atmet bewusst, ein Breathwork-Coach lehnt über sie und unterstützt mit Handgriffen am Kopf und Bauch ihre Atmung.

Eine ehrliche Betrachtung von Risiken und Chancen

Als ich im Januar 2018 meinen ersten Breathwork-Workshop in Brighton besuchte, war ich gleichermaßen fasziniert und skeptisch. Die Vorstellung, dass ich allein durch bewusstes Atmen in einen veränderten Bewusstseinszustand kommen könnte, klang für mich einerseits spannend, andererseits auch ein wenig beängstigend. Ist das nicht gefährlich? Diese Frage, die ich mir damals selbst stellte, höre ich auch heute noch häufig von Menschen, die zum ersten Mal mit Breathwork in Berührung kommen.

In diesem Artikel möchte ich diese berechtigte Frage ehrlich und ausführlich beantworten. Wir werden uns ansehen, was Breathwork eigentlich ist, welche potenziellen Risiken es gibt, aber auch, welche positiven Auswirkungen diese Praxis haben kann. Dabei möchte ich sowohl meine persönlichen Erfahrungen als auch mein professionelles Wissen als Breathwork-Coach mit dir teilen.

Falls du am Ende noch Fragen dazu hast oder unsicher bist, ob Breathwork für dich sicher ist, schreibe mit gerne eine E-Mail an hallo@svenjatasler.com.

Was genau ist Breathwork?

Bevor wir in die Tiefe gehen, lass uns kurz klären, wovon wir bei Breathwork eigentlich sprechen. Breathwork (auf Deutsch „Atemarbeit“) umfasst verschiedene Techniken der bewussten Atmung. Es geht dabei darum, den Atem gezielt einzusetzen, um positive Veränderungen in Körper und Nervensystem zu bewirken.

Es gibt verschiedene Formen von Breathwork, von sanften, entspannenden Techniken über Atemtechniken, die unsere Alltagsatmung optimieren, bis hin zu intensiveren Praktiken wie der verbundenen Atmung. Jede dieser Techniken hat ihre eigenen Charakteristiken und potenziellen Auswirkungen.

Potenzielle Risiken von Breathwork

Wie bei jeder Praxis, die Einfluss auf unseren Körper und unser Nervensystem hat, gibt es auch bei Breathwork einige potenzielle Risiken, die es gilt ernst zu nehmen. Mir ist wichtig, zunächst einmal darauf hinzuweisen, dass jede Atemtechnik anders wirkt und jede Person anders reagiert. Wir sind alle unterschiedlich und haben unterschiedliche Bedürfnisse. Eine generelle Verallgemeinerung aller Breathwork-Methoden ist daher weder möglich noch wirklich sinnvoll.

Gerade mit Blick auf die Anleitung der verbundenen Atmung gibt es jedoch potentielle Risiken, die ein professioneller Breathworker immer transparent ansprechen sollte:

1. Überatmung (Hyperventilation): Intensive Atemtechniken (wie die verbundene Atmung) können zu einer Überatmung führen, die Symptome wie Schwindel, Kribbeln in Händen und Füßen oder sogar Ohnmacht verursachen kann. Es ist wichtig, dass du diese Atemtechniken nicht ohne Begleitung eines kompetenten Breathwork-Coaches ausprobierst (besonders wenn du noch gar keine Erfahrungen damit hast!).

2. Emotionale Überwältigung & Retraumatisierung: Breathwork hat einen direkten Einfluss auf unser Nervensystem und kann daher starke Emotionen auslösen. Für manche Menschen kann dies überwältigend sein, besonders wenn sie nicht darauf vorbereitet sind. Bei Menschen mit traumatischen Vorerfahrungen besteht die Möglichkeit, dass Breathwork unverarbeitete Traumata aktiviert. Ich werde dazu in einem separaten Blogartikel nochmal ausführlichere Infos teilen – wichtig ist mir an dieser Stelle noch einmal der Hinweis, dass du unbedingt mit qualifizierten und Trauma-sensiblen Breathwork-Expert*innen arbeiten solltest!

3. Physische Nebenwirkungen: Wenn wir Atemtechniken anwenden, also unsere Atmung bewusst verändern, kann das zu einer Veränderung des Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalts im Blut führen, was den pH-Wert im Blut sowie den Blutdruck verändert. Diese Veränderungen, die weitere physische Veränderungen im Körper anstoßen können, können bei einigen Menschen zu vorübergehenden Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Muskelkrämpfen führen. Bei den meisten Menschen lassen diese Empfindungen spätestens ein paar Minuten nach Beenden der Atemübung und der Rückkehr zur normalen Atmung wieder nach. Sollte dies bei dir nicht der Fall, solltest du das auf jeden Fall mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen und bis dahin die Atemübung nicht mehr machen!

Für Menschen mit gesundheitlichen Vorerkrankungen (so genannten Kontraindikationen) können diese physischen Veränderungen stärkere Auswirkungen haben. Deswegen sollte diese Personengruppe besondere Vorsicht walten lassen beim Breathwork. Weiter unten gehe ich darauf noch ausführlicher ein.

Sicherheitsmaßnahmen und Best Practices im Breathwork

Angesichts dieser möglichen Risiken ist es wichtig, Breathwork unter sicheren Bedingungen zu praktizieren. Ich möchte dafür an dieser Stelle einige Punkte mit dir teilen, die du beachten solltest, wenn du Breathwork ausprobieren oder vertiefen möchtest:

Wähle eine qualifizierte und gut ausgebildete Breathwork-Expert*in, die dich in das Thema einführt. Als Coach bilde ich mich konstant fort, wenn es um das Thema Sicherheit, Kontraindikationen und Trauma beim Breathwork geht. Es gibt immer mehr Forschung zu diesen Themen und immer neue Erkenntnisse, was wie wirkt und für wen geeignet ist. Ich achte darauf, dass ich möglichst immer die aktuellsten Infos über Breathwork und dessen Wirkung habe. Die Expert*innen, mit denen du arbeitest, sollten dies ebenfalls tun.

Dazu zählt für mich übrigens auch, dass ein guter Coach einen Trauma-sensiblen Ansatz verfolgt und weiß, wie man mit aufkommenden Emotionen und möglichen Traumareaktionen umgeht. Es geht dabei nicht darum, dass du mit Breathwork Trauma behandeln kannst oder solltest (das dürfen die meisten Breathworker aufgrund fehlender Fortbildungen sowieso nicht!). Es besteht beim Breathwork immer die Möglichkeit, dass etwas Aktivierendes hochkommt, und damit sollte dein Breathwork-Coach auf jeden Fall sicher umgehen können!

Die Breathwork-Techniken, die du nutzt, sollten an deine individuellen Bedürfnisse und deinen Gesundheitszustand angepasst werden. In meinen Sessions habe ich immer wieder auch Menschen mit verschiedenen Kontraindikationen, zum Beispiel Menschen mit Asthma oder Schwangere. Für mich ist es wichtig, dass ich vorher über vorhandene Kontraindikationen informiert werde, damit ich die Sessions wirklich an die individuellen Bedürfnisse anpassen kann. Dies bedeutet auch, dass du als Teilnehmer*in offen mit deinem Breathwork Coach über deine gesundheitliche Situation und eventuelle Bedenken sprechen (können) solltest, damit deine individuellen Bedürfnisse wirklich berücksichtigt werden können.

Und schließlich ist es bei bestehenden Gesundheitsproblemen ratsam, vor der Teilnahme an Breathwork-Sessions (vor allem wenn es um transformative Atemtechniken geht!) mit einer Ärzt*in zu sprechen.

Mir ist bewusst, dass nicht jede*r Ärzt*in über Breathwork und dessen Wirkung Bescheid weiß. Meine Empfehlung ist daher, dir vor dem Gespräch mit deiner Ärzt*in eine ausführliche Information von dem Breathwork-Coach über die angewandten Atemtechniken und dessen Wirkungsweise auf deinen Körper geben zu lassen, so dass du diese Informationen mit zu deiner Ärzt*in nehmen kannst. (Das ist gleichzeitig auch eine gute Möglichkeit herauszufinden, ob der Breathwork-Coach wirklich weiß, was er/sie/they dort macht).

Zum Abschluss mag ich dich außerdem noch einladen, in die Eigenverantwortung zu kommen und jederzeit mit dir selbst und deinem Körper einzuchecken, ob das, was dir der Breathwork-Coach anbietet, wirklich sinnvoll und hilfreich erscheint und ob sich das für deinen Körper und dein System gut anfühlt, oder ob du etwas anderes brauchst, und dies dann auch zu kommunizieren.

Nochmal zur Erinnerung: Ein guter Breathwork-Coach geht immer auf deine individuellen Bedürfnisse ein und fordert dich nicht dazu auf, Dinge zu tun, die sich für dich nicht passend anfühlen oder dir sogar schaden könnten!

Kontraindikationen im Breathwork

Ich habe es oben im Text schon angesprochen: Ein wichtiger Aspekt der Sicherheit bei Breathwork sind die sogenannten Kontraindikationen. Kontraindikationen sind (in der Regel gesundheitliche) Umstände oder Faktoren, die die Anwendung einer bestimmten Behandlung oder Praxis (in diesem Fall Breathwork) nicht ratsam oder potenziell gefährlich(er) machen.

Für die verbundene Atmung, die eine der intensiveren Techniken aus dem transformativen Breathwork ist, gibt es einige spezifische Kontraindikationen, die ich an dieser Stelle einmal auflisten möchte, damit du sie schonmal gesehen hast:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einschließlich Blutdruckproblemen, Herzrhythmusstörungen oder kürzlich erlittene Herzinfarkte
  • Kürzlich erlittene Schlaganfälle oder Gehirnverletzungen
  • Aneurysmen oder Blutgerinnsel
  • Epilepsie
  • Glaukom
  • Diabetes Typ 1
  • Atemwegserkrankungen, wie schweres Asthma, COPD
  • Long Covid
  • Psychische Erkrankungen (insbesondere bei bipolaren Störungen oder Schizophrenie)
  • Schwangerschaft (besonders im ersten Trimester oder bei Risikoschwangerschaften)
  • Kürzlich durchgeführte Operationen
  • Einnahme bestimmter Medikamente, insbesondere Antipsychotika oder Betablocker
  • Drogenkonsum oder Alkoholmissbrauch

Diese Liste ist nicht zwangsläufig vollständig und kann sich mit neuen Forschungsergebnissen weiterentwickeln.

Wichtig für dich zu wissen ist: Wenn eine dieser Kontraindikationen auf dich zutrifft, bedeutet das nicht automatisch, dass du gar kein Breathwork praktizieren kannst. Es geht dann vielmehr darum, dass du vorsichtig sein und vorher mit einer Ärzt*in und einer erfahrenen Breathwork-Expert*in sprechen solltest.

In der Vergangenheit habe ich schon häufig mit Menschen gearbeitet, die eine oder mehrere dieser Kontraindikationen aufwiesen. Der Schlüssel liegt in der offenen Kommunikation und der individuellen Anpassung der Techniken.

Letztendlich geht es darum, eine Balance zwischen den potenziellen Vorteilen von Breathwork und der Gewährleistung deiner Sicherheit zu finden. Ein Breathwork-Coach hat die Aufgabe, dir dabei zu helfen, diese Balance zu finden und Breathwork auf eine Weise zu praktizieren, die für dich sicher und förderlich ist.

Die positiven Aspekte von Breathwork

Lass uns nach den nun genannten Risiken auch nochmal darauf schauen, dass Breathwork bei verantwortungsvoller Praxis ein enormes Potenzial für positives Wachstum und Heilung hat (das hat es nämlich!).

Ich möchte hier mit dir einige Möglichkeiten teilen, wie Breathwork dein Leben positiv beeinflussen kann:

  • Breathwork hilft vielen Menschen dabei, Stress zu reduzieren und eine tiefere Entspannung und ein Gefühl inneren Friedens zu erfahren.
  • Bei der richtigen Unterstützung kann die Arbeit mit dem Atem helfen, unterdrückte Emotionen zu verarbeiten und loszulassen.
  • Durch die Fokussierung auf den Atem kannst du lernen, deinen Körper besser wahrzunehmen und deine Bedürfnisse besser wahrzunehmen.
  • Viele Teilnehmer*innen berichten von Einsichten und Erkenntnissen während des Breathwork, die ihr persönliches Wachstum unterstützen können.
  • Es gibt mittlerweile Studien, die zeigen, dass Breathwork bei der Linderung von Angstzuständen, Depressionen und sogar chronischen Schmerzen helfen kann.

In meiner Arbeit habe ich mittlerweile schon unzählige Menschen durch ihre Atemerfahrungen begleitet. Ich habe mit Menschen geatmet, die Asthma oder Probleme mit ihrem Blutdruck hatten oder schwanger waren. Jede dieser Personen benötigte etwas anderes, aber durch eine offene Kommunikation, gemeinsames sanftes Ausprobieren und kontinuierliche Unterstützung konnten sie alle besondere Erfahrungen mit ihrem Atem machen.

Ich bin davon überzeugt, dass es wichtig ist, Breathwork individuell anzupassen und immer die Sicherheit und das Wohlbefinden der Teilnehmenden an erste Stelle zu setzen. Und dann kann Breathwork etwas wirklich wundervolles sein! :-)

Fazit: Ist Breathwork nun gefährlich?

Wenn wir jetzt nochmal zu der ursprünglichen Frage zurückkommen, ob Breathwork gefährlich ist, lautet meine ehrliche Antwort, dass es zwar potentielle Risiken gibt, die bei einer verantwortungsvollen Praxis aber deutlich minimiert werden können!

Wie bei vielen Praktiken, die Einfluss auf unseren Körper und unser Nervensystem haben, ist es wichtig, informiert und achtsam vorzugehen. Mit der richtigen Anleitung, einem gut ausgebildeten Breathwork Coach und deiner Bereitschaft, auf deinen Körper zu hören, kann Breathwork eine kraftvolle Methode für dein persönliches Wachstum und Wohlbefinden sein.

Wenn du neugierig auf Breathwork bist, ermutigt ich dich, es unter professioneller Anleitung auszuprobieren. Auf meiner Webseite findest du einige Angebote, um deinen Atem und Breathwork vertiefend zu erkunden, angefangen bei meinem kostenlosen Take a Breath Kurs. Und falls du deine erste Breathwork Erfahrung lieber live begleitet von mir machen möchtest, komme gerne zu einer meiner Online Gruppen Breathwork Sessions dazu.

Viele liebe Grüße,

deine Svenja

Ein Portrait-Foto von Svenja, mit dem Meer im Hintergrund. Svenja lacht in die Kamera.
Svenja Tasler
1.10.24
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