Atmen ist politisch
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Warum wir uns als Atmende nicht aus der Politik heraushalten können
Der Atem ist unser ständiger Begleiter, unser Anker im Hier und Jetzt, ein Werkzeug für persönliche Transformation. Aber er ist noch viel mehr: Unser Atem ist auch zutiefst politisch. In diesem Artikel möchte ich mit dir darüber sprechen, warum das so ist und weshalb es gerade jetzt wichtiger denn je ist, dass wir uns als Breathwork-Community politisch engagieren.
Die politische Natur unseres Atems
Vielleicht fragst du dich gerade, was Atmen mit Politik zu tun haben soll?
Die Antwort ist: alles!
Die Luft, die wir atmen, die Räume, in denen wir atmen können, und die Möglichkeiten, die wir haben, uns mit unserem Atem zu verbinden – all das wird von politischen Entscheidungen und Strukturen beeinflusst.
Hier sind einige Beispiele, die dir hoffentlich die Verbindung zwischen Atmung und Politik verdeutlichen können:
- Die Qualität der Luft, die wir atmen, hängt unter anderem von umweltpolitischen Entscheidungen ab.
- Zudem hat die Stadtplanung und Verteilung von Grünflächen einen direkten Einfluss auf die Luftqualität in verschiedenen Stadtteilen - oft sind ärmere Viertel stärker von Luftverschmutzung betroffen, was soziale Ungleichheit verstärkt.
- Der Zugang zu Gesundheitsversorgung bei Atemwegserkrankungen wird durch gesundheitspolitische Maßnahmen bestimmt.
- Die Arbeitsbedingungen in vielen Industrien haben direkten Einfluss auf die Atemluft der Beschäftigten - Arbeitsschutzpolitik und wirtschaftliche Interessen können sich direkt auf die Gesundheit von Menschen auswirken.
- Und schließlich: Die Möglichkeit, in Sicherheit atmen zu können, ist ein Privileg, das nicht allen Menschen gleichermaßen zusteht.
Als Breathwork-Coach erlebe ich täglich, wie politische Realitäten die Atemarbeit meiner Klient*innen beeinflussen. Gerade in der aktuellen Zeit, wo wir einen zunehmenden Rechtsruck in der Gesellschaft beobachten, arbeite ich mit Menschen aus marginalisierten Gruppen, deren Nervensystem durch die politische Situation stark belastet ist.
Wie soll ein echtes Sicherheitsgefühl entstehen und entspanntes Atmen möglich sein, wenn fast täglich neue politische Äußerungen die eigene Existenz in Frage stellen?
Der Mythos der "unpolitischen" Atemarbeit
Gerade in der Wellness- und spirituellen Szene begegnet mir immer wieder die Vorstellung, man solle sich aus der Politik heraushalten und sich nur auf die eigene Entwicklung konzentrieren. Manche Coaches rufen sogar aktiv dazu auf, nicht wählen zu gehen, um "die eigene Stimme nicht abzugeben".
Diese Haltung ist aus mehreren Gründen problematisch: Sie ignoriert die Realität von Menschen, die sich Politikferne nicht leisten können (weil ihre Rechte direkt betroffen sind) und übersieht die Verantwortung, die wir als privilegierte Menschen (mit Rechten) haben. Zudem verkennt sie, dass auch Nicht-Wählen eine politische Entscheidung ist – eine, die oft genau die Kräfte stärkt, die Ausgrenzung und Ungleichheit fördern.
Warum gerade jetzt unsere Stimme wichtig ist
Am kommenden Wochenende findet in Deutschland die Bundestagswahl statt (am 23.02.25). Diese Wahl wird richtungsweisend sein für die Zukunft unseres Landes und damit auch für die Bedingungen, unter denen wir alle leben und atmen werden.
Wählen zu gehen ist ein Privileg, das wir nutzen sollten. Nicht alle Menschen haben diese Möglichkeit, sei es aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit, ihres Alters oder anderer Faktoren. Wenn wir dieses Privileg haben, tragen wir auch die Verantwortung, es zu nutzen – nicht nur für uns selbst, sondern für alle, deren Stimmen nicht gehört werden.
Impulse, um politisches Engagement und Atemarbeit zu verbinden
An dieser Stelle möchte ich dir noch ein paar Impulse mitgeben, wie du die Arbeit mit deinem Atem und dein politisches Engagement miteinander verbinden kannst.
Für Atmende (also alle): Bleibe informiert und nutze deine Stimme.
Zunächst möchte ich dir wärmstens ans Herz legen, dich über politische Zusammenhänge weiterzubilden. In der Politik werden gerne scheinbar einfache Lösungen für komplexe Probleme präsentiert. In der Regel ist es jedoch nicht so einfach (es gibt weder die eine Menschengruppe, deren Ausschluss aus der Gesellschaft oder dem Land, alles besser machen würde, noch gibt es eine einfache Entscheidung, die politisch getroffen werden muss, damit alle Probleme des Landes und der Gesellschaft verschwinden).
Zudem möchte ich dich einladen, deine eigenen Privilegien zu hinterfragen. Häufig fällt es uns schwer zu verstehen, welche Probleme andere Menschen(gruppen) haben, weil wir sie in unserer Realität nicht erleben. Es ist wichtig zu verstehen, wie politische Entscheidungen verschiedene Gruppen unterschiedlich betreffen.
Sprich offen über politische Themen in deinem Umkreis. Ich weiß, das ist manchmal alles andere als Nervensystem-freundlich! Nutze deinen Atem als Anker, um bei dir zu bleiben, während du gleichzeitig für deine Werte einstehst und dich für Menschen einsetzt, die weniger privilegiert sind.
Und schließlich: Geh wählen! Deine Stimme zählt und ist wichtig.
Mehr als du dir vorstellen kannst.
Und auch hier kann dein Atem dir eine Stütze sein – nimm dir Zeit und verbinde dich mit deinem Atem. Erlaube deinem Atem, dich in die Verbindung mit dir, deinen Werten und unserer Gemeinschaft zu bringen. Wir treffen politische Entscheidungen nicht nur für uns allein, sondern für alle. In was für einer Welt möchtest du leben? Welche Werte sollen eine Rolle spielen?
Für alle, die daran verzweifeln, dass keine demokratische Partei aktuell alle ihre Bedürfnisse und Ansichten vertritt: ich verstehe dich! Wir sind alle Individuen mit unterschiedlichen Ansichten, Bedürfnissen und Erfahrungen. Wähle die Partei, mit deren Werten du dich am meisten identifizieren kannst und die sie sich Idealerweise für mehr als eine Menschengruppe einsetzen!
In meinem „Take a Breath“ Online-Kurs sowie in meinem Podcast und auf YouTube findest du verschiedene von mir angeleitete Atemübungen, die dich und deine Atempraxis auch in diesen politisch herausfordernden Zeiten unterstützen können! All diese Angebote sind kostenlos und direkt verfügbar – folge dafür den folgenden Links:
- Der kostenlose „Take a Breath” Online-Kurs
- Podcast “Breathe, Feel, Grow” auf Spotify
- Angeleitete Atemübungen auf YouTube
Für Breathwork-Anbieter*innen: Schaffe möglichst sichere Räume.
Viele Menschen, die in meine Sessions oder sogar meine Breathwork-Ausbildung kommen, sind überrascht, dass ich mich in meinen Räumen immer wieder politisch äußere. Für mich gehört das mittlerweile dazu, auch wenn es für andere erstmal ungewohnt, wenn nicht sogar befremdlich, ist.
Ich halte es für wichtig, zu erkennen, dass politische Themen auch in Breathwork-Sessions, in Coaching- oder in spirituellen Sessions Raum haben dürfen – und sogar müssen! Politische Entscheidungen haben Einfluss auf unser Wohlbefinden, stärken manchmal Ängste und Sorgen statt Sicherheit zu bringen. Sessions müssen Raum für alle Gefühle geben und alle Erfahrungen integrieren. Politik und dessen Auswirkungen außenvor zu lassen, bedeutet lediglich, dass wir schwierige Themen und Gefühle umgehen.
Mit Breathwork können wir Menschen darin unterstützen, mit ihren Ängsten und Sorgen bezüglich politischer Entwicklungen umzugehen. Dabei geht es auch gar nicht immer darum, diese Ängste und Sorgen „weg zu atmen“ (wie soll das auch möglich sein, wenn die Realität ist, dass politische Entscheidungen mehr Unsicherheit bringen?), sondern wirklich Raum für das Erleben zu schaffen, eben mit allen existierenden Gefühlen.
Ein Aufruf zum Handeln
Mit meiner Arbeit möchte ich einen Beitrag leisten für eine Welt, in der alle Menschen frei und sicher atmen können. Diese Verantwortung teile ich auch in meine Breathwork-Community. Das bedeutet auch, politisch aktiv zu sein und uns für demokratische Werte stark zu machen.
Die kommende Bundestagswahl ist eine Chance, aktiv mitzubestimmen, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft entwickelt. Lass uns diese Chance nutzen und uns für eine Welt einsetzen, in der Heilung und persönliches Wachstum für alle Menschen möglich sind.
Zum Abschluss möchte ich dich einladen, dir folgende Fragen zu stellen und deren Antworten für dich zu reflektieren:
- Wie kann ich meine privilegierte Position nutzen, um positive Veränderung zu unterstützen?
- Welche Verantwortung trage ich in meiner Community?
- Wie kann ich dazu beitragen, dass alle Menschen in Sicherheit atmen können?
Wie siehst du die Verbindung zwischen Atmen und Politik? Wenn du möchtest, teile gerne deine Erfahrungen mit uns in den Kommentaren!
Alles Liebe,
deine Svenja
Ein Hinweis zum Abschluss: Dein Kommentar wird erst nach einer Prüfung freigeschaltet und sichtbar, um sicher zu gehen, dass es für alle Menschen auf meiner Webseite sicher ist, die Kommentare zu lesen. Respektlose, abwertende oder ausfallende Kommentare werden direkt gelöscht. Ich toleriere Hass, Hetze und Intoleranz in meinen Räumen nicht!
Begebe dich auf eine
transformative Reise mit mir
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