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Wie sich meine Breathwork-Erfahrungen mit der Zeit verändert haben

Journaling

Photo by Haitham on Unsplash (gWZf0e9AUSc)

Als ich Breathwork 2018 zum ersten Mal ausprobiert habe, wusste ich direkt, dass ich hier ein Tool gefunden hatte, das mein Leben komplett verändern würde. Seitdem habe ich nicht nur eine Ausbildung zum Breathwork-Coach abgeschlossen und begonnen andere Breathwork-Coaches auszubilden, ich bin selbst immer noch auf einer fortlaufenden Entdeckungsreise mit meinem eigenen Atem. Mal ist es ein sehr aktiver Prozess, in dem ich neue Atemtechniken erkunde, mal passiert mehrere Monate gar nichts.

In den letzten Wochen habe ich häufig darüber nachgedacht, wie sich die Erfahrungen, die ich während einer Breathwork Session mache, über die Zeit verändert haben – denn tatsächlich verlaufen die Sessions mittlerweile sehr anders ab und ich erlebe ganz andere Dinge als zu Beginn meiner Breathwork-Reise. Davon möchte ich dir heute ein bisschen erzählen. Bevor ich das mache, möchte ich aber auch nochmal aufgreifen, was eigentlich alles in einer Breathwork-Session passieren kann – und wieso die Erfahrungen für uns alle so unterschiedlich sind.

Welche Erfahrungen kann ich während einer Breathwork-Session machen?

Die Bandbreite möglicher Erfahrungen während einer Breathwork Session ist riesig. Erfahrungen können körperlich, mental oder emotional sein.

Körperliche Erfahrungen. Aufgrund der Mundatmung erleben sehr viele Menschen während des Breathwork einen trockenen Hals. Wenn wir für eine längere Zeit verbunden atmen (was wir beim Breathwork in der Regel für 30-60 Minuten machen), verändern wir unter anderem das Kohlendioxidlevel und somit den pH-Wert unseres Blutes. In diesem Zusammenhang ist es möglich, dass wir verschiedene körperliche Empfinden wahrnehmen. Eventuell nehmen wir Kribbeln, Formen der Benommenheit und Schwindelgefühle wahr. Manche Menschen nehmen Energie in verschiedenen Bereichen ihres Körpers wahr, andere werden müde. Einige Menschen müssen sehr viel husten oder gähnen. Manchen wird sehr heiß während der Session, andere beginnen stark zu frieren (deswegen macht es immer Sinn, eine Decke bei der Session bereitliegen zu haben, um sich im Falle einfach zudecken zu können). Außerdem ist es möglich, dass aufgrund des veränderten Kohlendioxidlevels im Blut Krampfähnliche Empfindungen in den Gliedmaßen auftreten („Tetanie“).

Wichtig zu wissen ist, dass all diese Erlebnisse normal und nicht gesundheitsschädlich sind und spätestens nach dem Ende der Session, wenn wir zu unserer normalen Atmung zurückkommen, wieder verschwinden.

Emotionale Erfahrungen. Während des Breathwork werden andere Bereiche unseres Gehirns aktiviert. In den meisten Fällen „verlassen“ wir bei längeren Atemsessions den Bereich des Neocortex (den Teil unseres Gehirns, der für das rationale Denken zuständig ist und in dem unsere Gedanken entstehen). Stattdessen werden unser limbisches System (in dem sich unsere Gefühle und Emotionen zeigen) und unser Reptilienhirn (der Sitz unseres autonomen Nervensystems, der u.a. auch den „Fight or Flight“ Modus aktiviert, wenn eine Situation stressig oder gefährlich erscheint) aktiviert.

Damit bekommt unser System die Möglichkeit, den Emotionen und Energien Raum zu verschaffen, die wir bisher in unserem Alltag noch nicht vollständig durchgefühlt beziehungsweise noch nicht vollständig verarbeitet haben. Für manche Menschen kommen deshalb während einer Breathwork Session Gefühle hoch, mit denen sie nicht gerechnet haben oder die sie eine Weile nicht gefühlt haben (weil sie sie zum Beispiel nicht zugelassen haben).

Auch wenn das natürlich nicht immer angenehm ist im ersten Moment, kann das Fühlen dieser Gefühle im Rahmen der Session sehr heilsam sein und ist daher sehr willkommen beim Breathwork. Gefühle sind da um gefühlt zu werden – meist braucht es nur etwa 90 Sekunden, um ein Gefühl wirklich durchzufühlen – dann löst es sich auf und die Energie hinter dem Gefühl kann den Körper verlassen.

Mentale Erfahrungen. Manche Menschen nehmen wahre kreative Schübe während einer Breathwork-Session wahr. Ihnen kommen plötzlich neue Ideen für Projekte, Antworten auf Fragen, mit denen sie sich in der Vergangenheit beschäftigt haben, Lösungen für Probleme, die sie gequält haben. Für manche zeigt sich das in Form von Bildern, manche hören Stimme.

Spirituelle Erfahrungen. Breathwork muss nicht zwangsläufig eine spirituelle Praxis sein, manche Menschen machen aber eben auch spirituelle Erfahrungen. Sie spüren die Verbindung zu Menschen, die nicht mit im Raum sind (und manchmal schon gar nicht mehr physisch auf dieser Welt sind), fühlen die Verbindung zum Universum oder zu anderen Wesen, oder tauchen in alte Erinnerungen oder sogar vorherige Leben ein.  

Wie gesagt: Die Bandbreite möglicher Erfahrungen ist riesig. Es gibt nichts, das man beim Breathwork nicht erleben kann. Gleichzeitig kann es aber durchaus auch sein, dass keine der obigen Erfahrungen auftreten und eine Person einfach für 30 Minuten bewusst atmet. Auch das ist normal. Und auch wenn sich viele Menschen von Breathwork Sessions „mehr“ erhoffen, sind auch diese „unspektakulären“ Erfahrungen manchmal genau das, was unser System braucht.

Wieso machen Menschen unterschiedliche Erfahrungen?

Die Art der Erfahrung, die wir in einer Breathwork-Session machen, hängt stark damit zusammen, was wir individuell gerade brauchen beziehungsweise in welchem Zustand wir uns zum Zeitpunkt der Session befinden. Ganz konkret spielt der Zustand unseres Nervensystems eine große Rolle.

Breathwork-Sessions geben uns den Raum und die Möglichkeit, Energien und Emotionen, die in unserem Körper gerade aktiv sind oder von unserem System gespeichert wurden (weil wir sie zum Zeitpunkt des Aufkommens nicht fließen lassen konnten oder wollten), hochkommen zu lassen, zu fühlen und durchfließen zu lassen.

Da wir alle täglich unterschiedliche Erfahrungen machen, unterschiedliche Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht haben und unterschiedliche Energien und Emotionen zurückhalten oder nicht fühlen, kommen wir natürlich auch in unterschiedlichen Zuständen in eine Breathwork Session. Unsere Nervensysteme sind unterschiedlich stark aktiviert, ganz zu schweigen davon, dass die Kapazität unserer Nervensysteme ebenfalls unterschiedlich ist. Es macht also absolut Sinn, dass wir – selbst wenn wir zu dem gleichen Thema in einer Session atmen – unterschiedliche (körperliche, emotionale und mentale) Erfahrungen machen.

Wir sind alle einzigartig, und das zeigt sich auch beim Breathwork.

Gleichzeitig ist nicht nur jede Person anders und einzigartig. Auch unsere individuellen Zustände sind bei jeder Session anders. Ich kann super entspannt und erholt in eine Session kommen – in der nächsten hatte ich einen stressigen Tag und bin gerade noch wütend auf eine andere Person. Meine persönlichen Erfahrungen beim Breathwork werden komplett unterschiedlich sein, abhängig davon, was in meinem System zum Zeitpunkt der Session gerade wichtig ist.

Ich bin der festen Überzeugung – und das spiegelt auch meine persönliche Erfahrung wider – dass wir beim Breathwork immer genau das erleben, was wir und unser System gerade brauchen.

Wie haben sich meine Breathwork-Erfahrungen mit der Zeit verändert?

Wenn ich auf meine allerersten Sessions zurückschaue, dann waren das sehr intensive sowohl körperliche als auch emotionale Erfahrungen für mich. Falls du meine Geschichte, wie ich zum Breathwork gekommen bin, noch nicht kennst, kannst du sie dir in diesem Artikel durchlesen. Darin beschreibe ich auch ganz ausführlich die Erfahrungen meiner ersten beiden Breathwork-Sessions.

Wenn ich mir meine persönliche Entwicklung mit Breathwork heute anschaue, würde ich sagen, dass ich während meiner ersten Atemsessions sehr viel „tiefer“ eingetaucht bin in mein System und Empfindungen auch sehr viel intensiver wahrgenommen habe beziehungsweise sie mit einer höheren Intensität „nach oben“ gekommen sind – seien es die körperlichen Empfindungen oder eben Emotionen, die sehr tief vergraben waren und sich – zum Teil für mich auch mal überraschend – ihren Weg an die Oberfläche „gekämpft“ haben.

Weil die Erfahrungen zu Beginn noch sehr intensiv waren, habe ich zwischen den Sessions meist mehrere Wochen oder sogar Monate Pause gemacht, bevor ich zu der nächsten Session gegangen bin, um mir und meinem System Zeit zu geben, die Erfahrungen zu verarbeiten und zu integrieren.

Mit Beginn meiner eigenen Ausbildung zum Breathwork-Coach habe ich dann begonnen, fast wöchentlich an Online Breathwork Sessions teilzunehmen. Und in dieser Zeit haben sich meine Erfahrungen deutlich verändert. Die Reisen sind weniger intensiv geworden (was sowohl die emotionalen als auch die körperlichen Empfindungen angeht), waren (und sind) aber immer noch sehr kraftvoll.

In meinen Breathwork-Sessions ging es irgendwann nicht mehr (ausschließlich) darum, die „großen Themen“ meines Lebens aufzuarbeiten oder angestauten „emotionalen oder energetischen Ballast“ abzubauen. Vielmehr wurde Breathwork zu einer regelmäßigen Praxis, die mir geholfen hat, Energien und Emotionen, die aktuell im Alltag auftraten, zu verarbeiten.

Wenn wir Gefühlen direkt dann Raum geben, wenn sie auftreten, und sie direkt im Alltag zulassen, muss unser Körper sie nicht mehr langfristig abspeichern – das heißt für mich auch, dass sie nicht mehr mit voller „Wucht“ aus uns raussprudeln, wenn wir einmal den Raum für sie öffnen. Vielmehr fließen die Emotionen und Energien viel natürlicher und entspannter.

Mit meiner regelmäßigen Breathwork-Praxis gebe ich meinem Nervensystem die Möglichkeit, die im Alltag auftretende Energie immer wieder bewusst zu entladen und mir mehr inneren Freiraum und Entspannung zu verschaffen.

Breathwork hat sich mit der Zeit für mich zu einer echten Selbstfürsorge-Praxis entwickelt, die mir mehr innere Sicherheit und Freiheit schenkt. Natürlich nutze ich Atem-Sessions auch immer noch, um „größere“ Themen zu bearbeiten oder „Dampf abzulassen“, wenn mich der Alltag stresst und meine vielen Projekte mich manchmal zu überfordern drohen. Gleichzeitig ist die Intensität für mein Nervensystem selbst während der Breathwork Session mittlerweile viel geringer als zu Beginn meiner Reise. Mein Nervensystem ist stärker, ich nehme Gefühle und Energien bewusster in mir und meinem Körper wahr und kann sie besser – auch mit Hilfe von Breathwork – regulieren.

Es ist spannend für mich wahrzunehmen, wie Breathwork nicht nur mich und mein Leben beeinflusst hat, sondern wie andersrum durch diese Veränderungen auch meine Breathwork-Erfahrungen sich wieder verändert haben. Ich bin wirklich gespannt, wie sich meine Praxis und meine Erfahrungen in Zukunft weiterentwickeln…

Wenn du magst, berichte gerne in den Kommentaren am Ende dieser Seite, wie deine bisherigen Erfahrungen mit Breathwork waren und – wenn du Breathwork ebenfalls schon länger machst – ob und wie sich deine Erfahrungen mit der Zeit verändert haben. Kannst du ähnliche Entwicklungen erkennen wie ich – oder verläuft es bei dir vielleicht ganz anders (Du weißt ja: wir sind alle einzigartig und jeder macht ganz individuelle Breathwork-Erfahrungen!)? Ich bin wirklich gespannt!!

Alles Liebe
deine Svenja 

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