Bisherige Learnings aus der Corona-Zeit

Journaling

Mittlerweile befinden wir uns aufgrund des weltweiten Covid-19 Ausbruchs seit über zwei Monaten offiziell in einer Pandemie. Für die meisten von uns haben sich unsere Leben seitdem stark verändert. Aktuell gibt es die ersten Lockerungen in Deutschland und ich höre viele Menschen davon sprechen, dass wir hoffentlich bald in unseren „normalen Alltag“ zurückkehren können. Diese Woche habe ich mit einigen Teilnehmerinnen in einem der Share & Care Treffen darüber gesprochen, was sie seit Beginn der Pandemie gelernt und für sich Positives entdeckt haben. Aufgrund dieser Unterhaltung schreibe ich heute diesen Artikel, in dem ich auch einige unserer Erkenntnisse mit dir teilen möchte. Außerdem teile ich am Ende des Artikels einige Fragen mit dir, die du nutzen kannst um deine bisherigen Erfahrungen und Learnings zu reflektieren.

Meine letzten zwei Monate & wie es mir geht

Heute sind es ziemlich genau zwei Monate, seit ich mich zum Großteil in „Social Isolation“ befinde. Mit Ausnahme von ein paar Spaziergängen mit einer Arbeitskollegin und zwei Besuchen inklusive Übernachtungen meiner Nichte bei mir habe ich seitdem nur beim Einkaufen Menschen „live“ gesehen. Ende März befand ich mich für eine Woche offiziell in Quarantäne, weil ein Arbeitskollege, den ich in der Woche davor gesehen hatte, positiv auf den Corona Virus getestet worden war.

Besonders zu Beginn der „social Isolation“ habe ich mich schwer getan mit dem Gedanken jetzt so eingeschränkt zu sein und nicht mehr frei entscheiden zu können, wo ich hingehen konnte. Mitte April hatte ich ein paar Tage einen ziemlichen Durchhänger, weil ich es so vermisst habe, Menschen anfassen und umarmen zu können. Beides hat sich für mich jeweils zunächst nicht gut angefühlt. Beides hat aber auch jeweils nur ein paar Tage angedauert, da ich in die Gefühle und Gedanken, die da in mir hochkamen, rein gegangen bin und sie reflektiert und für mich transformiert habe. Daraus sind zwei meiner größten Learnings entstanden, über die ich gleich noch etwas ausführlicher schreiben werde.

Aktuell geht es mir – und das schon seit einer ganzen Weile – richtig gut!

Es kostet mich schon eine gewisse Überwindung, diesen Satz so zu schreiben und stehen zu lassen, denn ich weiß, dass es vielen Menschen zurzeit nicht gut geht und dass viele mit der aktuellen Situation Probleme haben, aus unterschiedlichen Gründen.

Und während ich mit nichts, was ich heute in diesem Artikel schreibe, Gefühle und Erfahrungen von anderen Menschen runterspielen möchte oder die Situation, in der sich manche von uns befinden, nicht ernst nehme, möchte ich auch meine eigenen Gefühle und Erfahrungen nicht verstecken.

Natürlich läuft nicht alles perfekt bei mir; einige meiner Routinen sind mit Beginn der Pandemie und der Social Isolation eingebrochen (zum Beispiel meine Yoga-Routine), meine Koch- und Essverhalten ist nicht das, was ich mir für mich und mein Leben vorstelle, und mir fehlt häufig Struktur und Disziplin für all die Aufgaben, die ich mir selbst vornehme.

Aber es geht mir sehr gut. Und ich spüre sehr viel Fülle und Dankbarkeit in mir. Ich bin aufgrund meines bald endenden Arbeitsverhältnisses nicht von der Kurzarbeit bei meinem Arbeitgeber betroffen, habe aber kaum etwas zu tun, weil all unsere Aufgaben mit Beginn der Pandemie gestoppt wurden, so dass ich meine Zeit stattdessen in den Aufbau meiner Selbstständigkeit und die Fortbildungen stecken kann, für die ich mich dieses Jahr angemeldet habe. Es geht mir und allen, die ich liebe, gesundheitlich gut. Ich habe jeden Tag Spaß an dem, was ich mache.

 

Den Fokus auf das Positive richten

Und damit bin ich auch schon mitten drin in einem der für mich größten Erkenntnisse aus der aktuellen Zeit – die nicht nur ich hatte, sondern auch einige der Teilnehmerinnen im Share & Care Treffen. Für mich ist es unglaublich wichtig, mich nicht ausschließlich von Angst und Negativität durch diese Zeit begleiten zu lassen. Ohne Frage ist diese Situation für viele schwierig und stellt Individuen und die Gesellschaft vor große Herausforderungen – das heißt aber nicht, dass alles schlecht ist und ich den ganzen Tag meckern muss!

Stattdessen versuche ich so oft wie möglich meine Perspektive zu wechseln und auf das Positive zu schauen, was mir diese Zeit gerade bringt.

Für die Teilnehmerinnen der Share & Care Treffen gehörten dabei unter anderem auch folgende Dinge dazu:

  • Eine neue Wertschätzung und Dankbarkeit für all die Dinge, die wir in unseren Leben haben und all das, was wir trotz der Einschränkungen noch machen können. (Ich persönlich bin zum Beispiel täglich dankbar dafür, dass ich in Deutschland lebe – einem Land, das ein so starkes Gesundheits- und Sozialsystem hat, und das, auch aufgrund der früh durch die Regierung getroffenen Entscheidungen, (bisher) nicht Ansatzweise so hart von Covid-19 betroffen ist wie einige andere Länder in Europa und der Welt.)
  • Die Möglichkeit zur Entschleunigung und mehr Zeit für sich selbst (etwas, wonach sich viele von uns vor dem Corona-Ausbruch in ihrem stressigen Alltag sicher regelmäßig gesehnt haben).
  • Damit einhergehend auch die Zeit sich seines eigenen Rhythmus bewusst zu werden und sich damit auseinander setzen zu können, was man wirklich möchte und braucht im Leben und wie man sich sein Leben vorstellt.
  • Die Tatsache, dass Menschen – und Unternehmen – plötzlich viel flexibler werden und in vielen Situationen über den eigenen Tellerrand Eine Teilnehmerin meinte auf unserem Treffen: „Wenn man etwas machen muss, dann geht plötzlich alles!“ Und das stimmt – sei es nun auf die Arbeit aus dem Home Office bezogen, bei der Entwicklung neuer Geschäftsideen oder beim Umweltschutz.

 

Intensivere soziale Kontakte & mehr Menschlichkeit

Eine der ersten Erkenntnisse, die ich nach Beginn meiner „Social Isolation“-Phase  hatte, war, dass ich sehr schnell viel mehr Verabredungen mit Freunden und Familienmitgliedern hatte als jemals zuvor – natürlich nicht in Persona, aber virtuell, über Zoom oder telefonisch. Eigentlich gab es „social isolation“ für mich gar nicht, sondern lediglich eine physische Distanzierung zu meinen Mitmenschen.

In dem Zusammenhang haben sich viele meiner Kontakte auch intensiviert – denn aktuell achte ich viel bewusster und aufmerksamer darauf, wie es den Menschen in meinem Umkreis wirklich geht. Ich glaube, uns allen ist bewusst, dass wir uns in einer außergewöhnlichen Situation befinden und es vielen Menschen nicht gut geht, weswegen wir verstärkt aufeinander aufpassen.

Gleichzeitig habe ich persönlich aber auch noch mal genauer hingeschaut, wer mir gerade eigentlich guttut. Ich setze jetzt stärker Grenzen bei Menschen, die mich mit anhaltender Negativität und/oder Aggressivität runterziehen. Wie gesagt geht es nicht darum, dass es jedem immer gut gehen muss, aber wir alle tragen selbst die Verantwortung dafür, wie wir mit einer Situation umgehen, und ich ziehe mich aktuell von Menschen, die ununterbrochen über die aktuelle Situation meckern möchten, zurück, weil ich gemerkt habe, dass sich das für mich nicht gut anfühlt und für mich auch nicht stimmig ist. Dass heißt gleichzeitig nicht, dass ich nicht für die Menschen da bin, denen es aktuell schlecht geht.

Die aktuelle Zeit bringt meiner Meinung nach sowohl das Schlechteste als auch das Beste in den Menschen hervor. Und während ich immer wieder von der Negativität und Aggressivität vieler Menschen überrascht bin (die natürlich jeweils durch die eigenen inneren Ängste ausgelöst werden), sehe ich auch und fokussiere ich mich vor allem auf die vielen Hilfsangebote, die es seit Beginn der Pandemie gibt, und den starken Zusammenhalt, den ich zwischen vielen Menschen spüre.

 

Mein bisher größte Learning: Freiheit kommt aus dem Inneren  

Zu Beginn des Artikels hatte ich ja schon geschrieben, dass ich am Anfang der Pandemie, als die ersten Einschränkungen durch die Regierung kamen, einige Tage damit gehadert habe, dass ich mich in meiner persönlichen Freiheit eingeschränkt fühlte. Ich glaube, das geht aktuell vielen so. Sie haben das Gefühl, sie können nicht mehr vollständig selbst über ihr Leben bestimmen.

Beim Journalen eines Morgens kam in mir dann die Erkenntnis hoch, dass Freiheit ein ähnlicher Wert wie zum Beispiel Sicherheit ist – und wahre Freiheit nur aus meinem Inneren kommen kann, genauso wie ich mich nur sicher fühlen kann, wenn ich dies in meinem Inneren spüre (eine Erkenntnis, die ich letztes Jahr während meiner fünf-wöchigen Italien-Reise hatte!).

Und das bedeutet, dass ich anerkennen durfte, dass ich selbst die Freiheit habe, zu entscheiden wie ich über eine Situation (und in diesem Fall konkret über die die Beschränkungen durch die Regierung während der Covid-19-Pandemie) denke und fühle. Wenn ich mich eingesperrt fühlen möchte, dann bin ich eingesperrt. Aber wenn ich mich dazu entscheide, den Fokus auf das Positive zu lenken, dann kann ich auch das frei wählen. Ich kann frei wählen, dass es mir in der Pandemie trotz all der Herausforderungen gut geht!

Reflektion

Außerdem bin ich absolut frei darin zu entscheiden, welche Worte ich nutze um meine Situation zu beschreiben. Denn in diesem Zusammenhang habe ich auch mal wieder festgestellt, welche unglaubliche Kraft in unseren Worten steckt. Wenn ich die ganze Zeit von der „Corona-Krise“ spreche, signalisiere ich mir selbst und meinem System, dass ich im „Krisen-Modus“ bin – und schon ist mein Fokus wieder verstärkt auf das Negative in der Situation gerichtet. Wenn ich aber statt des Wortes „Krise“ von der „aktuellen Situation“ spreche, bin ich viel neutraler aufgestellt.

Ähnlich ist es natürlich auch bezüglich des Freiheits-Themas. Wenn ich die ganze Zeit davon spreche, dass ich „weggesperrt“ bin oder mir meine „Freiheit genommen wird“, nutze ich meine Worte um meine Ängste und Negativität zu verstärken. Stattdessen kann ich meine Worte aber auch so wählen, dass mir die aktuelle Situation gerade die Möglichkeit bietet, einen neuen Tagesablauf zu gestalten und zu hinterfragen, was ich eigentlich wirklich in meinem Leben brauche um zufrieden zu sein.

Der Unterschied in der Wortwahl liegt übrigens auch in der Übernahme von Verantwortung. Wenn ich die ganze Zeit davon spreche, dass wir „weggesperrt sind“, dann gehe ich in eine passive Opfer-Haltung und geben meine Verantwortung für mein Leben ab. Andersrum kann ich aber Verantwortung für mein Leben übernehmen, indem ich mich frage, wie ich die aktuelle Situation für mich bestmöglich aktiv gestalten möchte. Also auch hier gilt: Ich habe die Freiheit zu entscheiden, ob ich mich in eine Opferrolle bewege oder ob ich Verantwortung für mein Leben übernehme. Ich bin innerlich frei diese Entscheidung zu treffen!

 

Eine neue (wiedergefundene) Verbindung zur Natur

Etwas, das auch im Share & Care Treffen von den Teilnehmerinnen bestätigt wurde: viele Menschen entdecken gerade ihre Verbindung zur Natur neu. Ich selbst gehe aktuell viel bewusster spazieren. Ich liebe es die frischen Farben des Frühlings zu sehen, ich nehme bewusst die verschiedenen Düfte der Natur wahr. Vor einigen Wochen hatte ich eine Phase, in der ich bei jedem Spaziergang einen Baum umarmt habe, einfach weil ich die Nähe zur Natur gerade so sehr schätze.

Gleichzeitig genieße ich den Gedanken, dass die aktuelle Situation der Natur die Möglichkeit gibt, sich etwas zu erholen von all den Schäden, die wir Menschen ihr in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten zugefügt haben.

 

Reflektionsfragen, die mir helfen zu lernen

Das waren meine bisher größten Learnings durch die aktuelle Covid-19-Situation. Mich würde sehr interessieren, was du bisher für dich aus dieser Zeit mitgenommen hast. Wo siehst du positive Veränderungen und was hast du bisher alles (über dich) gelernt? Hinterlasse mir gern einen Kommentar am Ende des Artikels.

Etwas, das mir immer wieder hilft mich und meine Learnings zu reflektieren (und was ich auch immer wieder in meinen Blogartikeln nenne), sind Reflektionsfragen, die ich während meiner Journaling-Routine aufgreife. Die folgenden Fragen möchte ich heute mit dir teilen und dich dazu anregen, sie selbst auszuprobieren. Lese sie dir nicht nur jetzt einmal kurz durch oder denk kurz drüber nach, sondern nimm dir wirklich die Zeit sie einzeln ausführlich schriftlich zu beantworten. Du wirst überrascht sein, wie dir die Fragen helfen können, eine neue Perspektive einzunehmen und positiver auf die aktuelle Situation zu blicken. 😊

  • Wer bin ich, wenn ich im Außen eingeschränkt bin (weil ich meine Arbeit nicht machen kann / meine Freunde und Familie nicht sehen kann / nicht aus dem Haus gehen kann…)
  • Was brauche ich wirklich um glücklich und zufrieden sein zu können?
  • Was tut mir heute gut?
  • Wie kann ich mir die Situation so angenehm wie möglich machen? Und: Wie kann ich mir die Situation noch angenehmer machen/noch mehr Freude spüren?
  • Wer / was für ein Mensch möchte ich in einer Zeit wie dieser sein?
  • Wie kann ich das, was ich in den letzten Wochen über mich, meine Bedürfnisse, mein Leben gelernt haben, mitnehmen in die Zeit nach der Pandemie?

 

Die virtuellen Share & Care Treffen finden weiterhin jede Woche statt

Share & Care - virtualle Treffen für mehr Verbundenheit & Sicherheit

Wenn du dich in der aktuellen Zeit nach mehr Verbundenheit, Sicherheit und Positivität sehnst, dann schau gerne bei unseren virtuellen Share & Care Treffen vorbei. Mehrmals die Woche eröffne ich für Frauen über Zoom einen Raum, in dem wir uns austauschen und verbinden. Wir reden über die aktuelle Situation, ich teile Tipps für deine Selbstfürsorge und für mehr Weiblichkeit, rede über ätherische Öle und stelle dir Atemübungen vor, die ich aus dem Breathwork kenne.

Die Treffen sind kostenfrei und unverbindlich. Du brauchst dich nur einmalig bei mir für die Treffen anmelden und kannst dann frei entscheiden, wie oft du an den Treffen teilnehmen möchtest. Du kannst zu jedem Treffen kommen, musst es aber nicht. Alle Informationen zu den Treffen und Zeiten findest du hier.

Lass mir jetzt gerne noch ein paar Gedanken zu diesem Artikel und deinen Learnings aus der aktuellen Zeit hier. Ich freue mich von deinen Erfahrungen zu lesen!

Alles Liebe

deine Svenja

Foto Credit:
(1) Colton Sturgeon (Unsplash: N4fdQbMJ0nI)
(2) Allie Smith (Unsplash: 8EKNhNngQRY)
(3) Hannah Busing (Unsplash: Zyx1bK9mqmA)

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